JODY KORBACH

Jody Korbach

*1991 in Bielefeld
aufgewachsen in Dortmund
lebt und arbeitet in Düsseldorf

Vertreten durch die Galerie Petra Martinetz, Köln

Studium

2010-2017
Studium der freien Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf bei Tal R,
Christopher Williams und Johannes Paul Raether
Meisterschülerin von Christopher Williams

Sonstiges

Seit 2021 ständiges Mitglied der Kunstkommission für Kunst im öffentlichen Raum und Kunst am Bau der Landeshauptstadt Düsseldorf

Preise und Förderungen

2018 Individuelle Künstlerförderung durch
ECCE und das Land NRW
2021 Reclaim Award

2022 Neustart Kultur Stipendium Kunststiftung NRW

2023 Bronner Residency, Tel-Aviv

 

Einzelausstellungen

2017

  • It was like the boys and frogs – Neuland,
    Bochum

2018

  • Faith – Sonneundsolche, Düsseldorf

2021

  • 1000 Jahre CDU – Mouches Volantes, Köln
  • Feierabend (Wo wart ihr Silvester?)
    Kunstlabor2, München

Gruppenausstellungen (Auswahl)

2017

  • work, work, work, work, work
    Sonneundsolche, Düsseldorf
  • NRW.BANK Kunstpreis, Düsseldorf

2021

  • Koschatzky Art-Award 21 – Palais
    Schönborn, Wien
  • Aber bitte mit Sahne – Galerie Golestani,
    Düsseldorf
  • In Brandenburg gibt es einen Mann, der seit
    der Wende wach ist – Atelier Frankfurt a.M.
  • Error Art Festival – Dinslaken

2022

 

Upcoming

Gruppenausstellungen

11.06. Die Grosse 2022 – Museum Kunstpalast,
Düsseldorf

06.10. Pedigree. Kunst und Klasse – Neuer Kunstraum Düsseldorf

26.11. Paula Modersohn-Becker Preis, Worpswede

Einzelausstellungen

02.12. Lieber tot als rot – Galerie roter Keil, Graz, Vienna

Performances

2017 Kategorie „E“ – Neuer Aachener
Kunstverein, Aachen
2018 All the pretty faces of war
Malkastenverein Düsseldorf

 

Am 05. Juni 1991 wurde ich in der Utopie Bielefelds geboren. Schon mit zwei Jahren gingen meine Eltern mit mir ins Exil nach Dortmund, wo ich vermeintlich unbeeindruckt von meiner neuen Heimat 2009 das Abitur absolvierte. Die frühe Entwurzelung trug ich in diesen Jahren stets mit mir, immer im Nicht-Ort zwischen den Fronten heimisch.

Mein Ziel schon in jungen Jahren vor Augen, begann ich 2010 im Alter von 19 Jahren mein Studium der freien Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf hoffend, dort in einer neuen Utopie der künstlerischen Gemeinschaft meine unausgesprochenen Verbündeten zu finden. Endlich an einem Ort ankommen, in dem man vollends aufgehen kann. 2011 folgte ich der Attitüde Tal Rs und erlernte die Freuden des improvisierten Exzesses und die lapidare, überbordende Ästhetik des Trash. Doch nach zwei Jahren musste ich feststellen, dass sich die Versprechungen der Auflösung des Selbst in der Gemeinschaft auch in der Kunstwelt nicht einlösten. Rivalitäten unter den Klassen, persönliche Intrigen und „Punks der Kunstwelt“ mit Hérmes Kappen und Prada Pullovern. Auch andere Ideale wurden enttäuscht und so mussten Ideen über den eigenen „Erfolg“ und eigene „Ziele“ neu verhandelt werden. In der Klasse von Tal R als Nicht-Malerin an meine Grenzen stoßend, brach ich dort 2013 meine Zelte ab und fand auf meiner Sinnsuche in der Klasse von Christopher Williams Asyl. Dort konnte ich mein ästhetisches Fundament mit dem Zement (Concrete) der Theorie festigen und ausbauen. 2014 stand ich dennoch vor der Frage, ob ich zerbrochen an meinen Ideen und Illusionen über meinen eingeschlagenen Lebensweg mein Studium abbrechen sollte. Das war der Moment, in dem ich an einem Samstag Nachmittag in Dortmund endlich meine Heimatstadt erkannte. An eben diesem Samstag Nachmittag am Hauptbahnhof in Dortmund stehend, zogen laute, stinkende, Menschenmassen an mir vorbei, jeder einzeln an sich eine Zumutung, unangenehm, peinlich und fragwürdig. In der Masse jedoch, verschwand die Person mit all ihren Unzulänglichkeiten. Alles ergab einen Sinn, einen Gemeinsinn. Das war der Moment an dem all mein Trotz und Neid und die angestaute Einsamkeit nach außen brachen und sich in einem Entschluss verhärteten: Das will ich auch – und ich werde es mir holen. Ich werde die Kunstakademie dazu zwingen, mir die Heimat und Gemeinschaft zu geben, die sie mir all die Jahre entsagt hat und ich werde sie dazu zwingen dabei ihrem eigenen Gestank, ihrem eigenen Lallen, ihrer eigenen Trunkenheit und ihrem eigenen Größenwahn ins Gesicht zu blicken. Von diesem Entschluss getrieben gründete ich 2014 also den EiskellerExport‘14 – Fußballteam der Kunstakademie Düsseldorf

Es folgte der Abschluss, die Sehnsucht nach Gemeinschaft blieb, hatte sie sich doch immer noch nicht wirklich erfüllt beziehungsweise musste ich sie in dem Moment zurücklassen, als ich versuchte ihr ihr größtes Denkmal zu setzen. Wie also weiter machen? Fußball schien nicht die Antwort zu sein, die Akademie als Steilvorlage war passé.

Zum Glück hat auch das Rheinland seine Wege sich gemeinschaftlich zu betäuben und so stolperte ich eines schicksalhaften Abends in ein Schützenzelt, warf meinen Blick zum anderen Ende des Festzeltes und las: „Glaube, Sitte, Heimat.“ und ich wusste, ich hatte ein neues Gefäß gefunden, in das ich mein einsames Herz ausschütten konnte. 2018 gründete ich also meinen eigenen Schützenverein. Vielleicht würden ja Struktur und klare Regeln den erhofften Halt geben, den meine unruhige Seele suchte. Von Nationalismus und Aufmärschen hatte ich aus Dortmund allerdings schon genug, weswegen in dem Schützenwesen noch die Europäische Union als Arbeitsauftrag mit an die Hand gab – und schon waren Struktur und Ordnung wieder verloren und die Gemeinschaft einmal mehr eine bloße Behauptung, die all ihren Darsteller*innen enorme Ausdauer und Teamgeist abverlangt.

Doch der Glaube an das Gute bleibt, der Fußball verschwindet schließlich nicht aus den Herzen in die er einmal einen Treffer gelandet hat und so lebt die Hoffnung weiter, dass ich es jemals schaffen werde das darzustellen, was ich mir für mich selbst wünsche und was die Südtribüne jeden Samstag denjenigen entgegen ruft, die es hören müssen:

You‘ll never walk alone.